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Adlergebirge


Festtracht der Adlergebirgler
(beschrieben von Anni Zintl)

Die Festtagstracht der Adlergebirgler wurde bis etwa 1850 von Bürgerinnen und Bäuerinnen zu festlichen Anlässen und zum Kirchgang getragen, in einzelnen Fällen auch noch bis zur Jahrhundertwende.

Die hier gezeigte Tracht orientiert sich am Vorbild eines Festtagsgewandes aus dem Dorf Katscher (Kacerov) im Adlergebirge. Es war nicht einfach, dessen Form zu rekonstruieren, stand doch nach der Vertreibung nur ein einziges Originalteil zur Verfügung: ein Spenzer in der Heimatstube der Adlergebirgler, der jedoch zum Werktagsspenzer umgearbeitet worden war. Immerhin konnte man auf einige Seiten in der Doktorarbeit von Wilhelm Oehl zurückgreifen, auf denen die Tracht des Adlergebirges beschrieben war. Deshalb war die Freude groß, als die Adlergebirgler Jahre später von der tschechischen Volkskundlerin Prof. Dr. Hynková den Schnitt der Katscherer Festtagstracht erhielten, der im Prager Volkskundemuseum aufbewahrt wird, und sich zeigte, daß die Rekonstruktion der historischen Tracht bis auf wenige Details korrekt war.

Auffallend an dieser Festtagstracht ist vor allem der Spenzer aus sattgrünem Wollbrokat mit seinem typischen, großen Kragen. Reicher Bortenbesatz und der gefältete Abschluß am rückwärtigen Schößchen ("Orchelpfeiflan" oder "Archlpfeiflan") erforderten große Geschicklichkeit im Handarbeiten. Die gelegten weichen Falten, die Rüschchen am Ausschnitt und an der Knopfleiste sind aus doppelt gelegtem Stoff, sie sind mit einem Faden durchzogen und zusammengezogen, so daß sich Tütchen bilden. Am Kragenrand sind kurze wollene Fransen in Regenbogenfarben und seidene rosa und grüne Borten angebracht. Das Ärmelende säumen unterlegte Zähnchen, die Manschette ist mit zwei wollenen hellgrünen Borten und einem Fransenstreifen versehen. Der Gürtel ist mit einem seidenen Atlasband eingesäumt und über dem Schößchen mit Perlmuttknöpfen verziert.

Leibl und Rock sind zusammengenäht und bestehen ebenfalls aus grünem Wollbrokat. Darunter wird eine weiße Bluse getragen. Eine seidene Schürze ergänzt das Erscheinungsbild.


Abbildung: Trachtenberaterinnen Anni Zintl und Dorothea Faust in der Festtracht der Adlergebirgler