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Olmützer Sprachinsel

 

 

Trachtenträgerinnen aus Nimlau bei Olmütz, frühes 20. Jh. (Fotograf unbekannt). Abbildungen aus: J. Kux, Die deutschen Siedlungen um Olmütz, Olmütz 1942.


Von traditioneller Kleidung oder Trachten der Olmützer Sprachinsel gibt es praktisch keine Überlieferungen. Das Tragen von Tracht war nach 1900 kaum noch gebräuchlich. Nur über die Tracht des Ortes Nebotein liegen Anhaltspunkte vor. Anscheinend gab es im Vergleich mit anderen Gemeinden der Sprachinsel gewisse Unterschiede in Tracht und Mundart.

In einem Bericht aus den 1920er Jahren heißt es zur Neboteiner Tracht: 

Die Frauentracht
Die Neboteiner Frauen trugen kurze Hemden aus grobem Leinen. Darüber zogen sie ein Hemd aus feinerem Leinen ("Niderle") an. Es war am Rückenteil mit schwarzen Sternchen und Punkten bestickt und wurde vorne mit einem schwarzen Band zugebunden. Um den Hals trug man einen Spitzenkragen ("Kreislik"). Der knielange Rock war schwarz, darüber wurde eine Schürze ("Zaster") gebunden.

Die Frauen  hatten einen kurzen Spenzer oder "Pelz" an, der mit Fuchsschwänzen ausstaffiert war. Dazu kamen farbige Strümpfe und Halbschuhe. Wochentags gingen die Frauen mit roten Kopftüchern mit Blumenmustern aus dem Haus, sonn- und feiertags mit weißen.
Auf einer Lithographie von 1853 sind Bäuerinnen mit großen weißen Halskrausen abgebildet. Solche Halskrausen kennt man in ähnlicher Form auch aus anderen Regionen, besonders aber aus der Wischauer Sprachinsel.
 
1936 wurde in der Olmützer Sprachinsel eine erneuerte Tracht eingeführt. Rock und Leibl waren farbig, Bluse und Schürze weiß. Die formal schlichte Tracht sollte als Sonntags- und Festkleidung benutzt werden. In der Olmützer Heimatstube in Nördlingen ist ein Exemplar davon ausgestellt.

Die Männertracht
Zuerst trugen die Männer rote Kniehosen und dazu einen breiten Gürtel. Von den Knien bis zu den Knöcheln reichten weiße leinene "Beinschutze" – vielleicht eine Art Gamasche. Etwa ab 1850 kamen gelbe Hosen auf. Das Schuhwerk waren schwarze hohe Schuhe.

Die Hemden ("Kittel") hatten weite Ärmel , die Westen ("Brustfleck") wiesen Metallknöpfe auf. Bei Kälte bekleidete man sich mit einem schwarzen Tuchmantel, der im Winter mit einem roten Pelzkragen versehen war. Dazu kam eine runde Samtmütze. Im Sommer wurde die Tracht durch einen Filzhut in "Schinackelform" ergänzt. Das Wort "Schinackel" bedeutet "kleines Boot". Womöglich war die Krempe also an zwei Seiten hochgeschlagen. Mit solchen Hüten sind einige Bauern bei ihrer Arbeit auf der oben erwähnten Lithographie aus dem Jahr 1853 dargestellt worden.

Informationen nach einer tschechischsprachigen Broschüre „Pamìti obce Hnìvotína“ (Denkwürdigkeiten aus Nebotein) der Autorin Vlasta Kauerová (1998). Die Übersetzung übernahm Dr. Richard Rothenhagen, der auch die Trachtenbeschreibung in der genannten Broschüre entdeckt hat. Die Beschreibung basiert auf Aufzeichnungen, die ein Lehrer namens Augustin Marek in den 1920er Jahren vorgenommen hat.