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Riesengebirge


Spensertracht aus dem Riesengebirge
(beschrieben von Susanne Svoboda)

Der Spenser (Joppe, "Jupp", "Orcheljupp") wird aus kleingemusterter Seide genäht. Das Schößl wird am Rücken in drei Falten wie Orgeln zusammengefaltet, daher der Mundartausdruck "Orcheljupp". Eine Besonderheit ist, dass der Knopfverschluß von links nach rechts geknöpft wird, damit der breite Kragen richtig von rechts nach links gelegt werden kann. Der mit Goldborten reichverzierte Kragen erinnert im Schnitt an ein Brusttuch. Die Ärmel sind an der Schulter reich gezogen und liegen eng am Unterarm an. Das Schmiesel ("Vürhembel") ist eine Art Bluse ohne Ärmel. Es ist nur an den Schulternähten verbunden und in der Taille mit einem Banddurchzug versehen. Der liegende Kragen ist weiß bestickt. Der Rock ("Rook") ist knöchellang und wird aus drei Metern Seide gefertigt und mit handgezogenen Stehfalten versehen. Im Gegensatz zu dem einfarbigen Spenser hat er ein Blumenmuster in harmonischen Brauntönen. Ein Saumbesatz aus der Seide des Spensers schließt die Rockkante ab. Die Schürze ("Scherz") ist aus rot und gold gestreifter Seide und hat lange breite Bänder. Die Haube aus der Seide des Spensers ist mit einer Goldspitze (Tresse) überzogen, daher wird sie als Tressenkappe bezeichnet. Der Haubendeckel ist mit einer großen Seidenmasche in passender Farbe geschmückt, deren Enden auf den Rücken herabhängen. Zur Tracht werden schwarze Spangenschuhe ("Spongaschuh") getragen.

Abbildung:Trachtenberaterin Susanne Svoboda in der Spensertracht aus dem Riesengebirge (Foto: Erich Rudel)



Die Braunsche Bauerntracht
(beschrieben von Angela Zumstein)

Die Tracht stammt aus dem fruchtbaren Braunauer Ländchen in Ostböhmen. Mit Goldhaube und Schmuck zeigte sie den Wohlstand seiner Bewohner. Tracht trug man im Braunauer Ländchen bis etwa 1870 an Sonn- und Feiertagen, später dann zu besonderen Anlässen, wie Erntedankfesten und großen Veranstaltungen der Volkstumsverbände.

Die hier abgebildete Tracht entspricht der zwischen 1820 und 1845 getragenen Form.
Das Leinenhemd hatte einen Schlitz auf der Vorderseite; den Hals zierte eine Klöppelspitze, ebenso die Ärmelkante. Eine silberne Hemdspange zierte das Hemd.

Unter dem Hemd trug man 2-4 Unterröcke. Im Winter war einer davon dick wattiert, denn die Tracht hatte keinen Mantel.

Als Leibchen gab es die "Gestaalt" aus farbigem Brokat (einen etwa 20 cm hohen Streifen in der Weite des Brustumfangs mit seitlichen Abnähern versehen), gehalten von zweifingerbreiten Trägern ("Hocka") und vorne mit Krönchenknöpfen ("Krienlan") geknöpft. Am untersten Saum des Leibchens waren drei mit Sägmehl ausgestopfte Wülste ("Schiesslan") genäht, die den Zweck hatten, durch die verkürzte Taille den Rock zu halten.

Der "Zeuchla-" oder Bänderrock war aus grober Wolle mit Leinen gewebt, meist grün-braun oder rot-blau changierend, am Bund eingereiht. Die untere Rockkante war mit einem handbreiten schillernden Seidenband in abstechender Farbe verziert. Die reinseidene Taftschürze reichte fast bis zur Rockkante und bedeckte diesen bis weit nach hinten.


Das Seidentuch mit Fransen, prächtig farbig schillernd, mit eingewebten Blumenbuketts trug man diagonal gefaltet um die Schultern gelegt und hielt vorn die Zipfelenden in die Schürze gesteckt fest.


Die "Faalajacke" (wohl wegen der gefälteten Auszier so genannt) war aus demselben Stoff wie der Rock und mit dem gleichfarbigen Seidenband des Rockes verziert.


Die "Tressenkappe" war die Krönung der Tracht. Sie bestand aus Silber- oder Goldspitze. Ein aus Metallfäden gestickter Lebensbaum mit Granaten und bunten Steinen geschmückt füllte die Haubenplatte. Darauf saß dann, aus dem Seidenband des Rockes, farbgleich im Nacken eine Schleife.


Abbildung: Trachtenberaterin Angela Zumstein in der Braunauer Bauerntracht