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Wachtl/Deutsch-Brodek (Sprachinsel)

 

Abb. 1: Goldene Hochzeit in Wachtl, 1905. Die Frau hatte zu diesem Anlass noch ihre Tracht, der Mann trägt einen bürgerlichen Anzug.  Abb. 2: Gruppe aus Wachtl beim Sternberger Trachtenfest, 1910. Um diese Zeit war die Tracht in der Sprachinsel nicht mehr im Tragegebrauch - schon gar nicht bei der jüngeren Generation. Sie wurde nur noch zu Trachtenfesten u.ä. Anlässen hervorgeholt. Beide Abb. aus: Müller, Wachtler Gedenkbuch, 1970.


Nach 1900 wurden die ererbten Trachtenstücke nur noch in Ausnahmefällen getragen, wie etwa bei Tanzfesten. In den 1930er/40er Jahren gab es erfolglose Versuche, eine Variante der erneuerten Schönhengster Tracht einzuführen.

Die alte Tracht des Sprachinselgebietes scheint nicht überliefert zu sein. Ungenaue Beschreibungen sind in heimatkundlichen Schriften enthalten. Diese Beschreibungen erinnern an Merkmale der Wischauer und Olmützer Tracht (Halskrause, farbige Strümpfe).

Die Frauentracht ("Trog", "Trook")
Das Hemd bestand aus Kostengründen bis zur Taille aus der feineren Leinwand und im unteren Teil aus selbstgewebtem Leinen. Die kurzen Puffärmel erhielten zwecks besserer Bewegungsfreiheit unten einen Zwickel ("Spätlich"). Den Hals zierte entweder eine Halskrause aus Tüll ("Kohler") oder eine gestärkte Krause ("Platzak", "Kragnla").

Die nicht näher beschriebene Miederjacke wurde "Gadolka" genannt (von tschech. Kordulka = Miederchen). Um einen Kontrast zur breiten Silhouette des Rockes zu erzielen schnürte man das Mieder sehr eng.

Zum Aussehen des Oberrocks liegen keine Angaben vor. Unterröcke ("Schurzn") trug man bis zu sieben Stück, was einen sehr voluminösen "Unterbau" ergab. Von den Schürzen heißt es lediglich, sie wären breit und aus Wandelseide gewesen.

Die warme Winterjacke hieß "Katzabaika" (von tschech. Kacabajka = Pelzjacke). Sie war aus feinem Tuch und an der Brust tief ausgeschnitten. Weitere Merkmale waren hohe „Schinkenärmel“ und ein Futter aus Watte oder Schaf-Fell. Ihre kurzen Schöße waren aufgestellt. Es gab auch leichtere "Summerkatzabaiken" aus Seide.

Das große Kopftuch wurde hinten geknotet und die Enden zu einem Kranz um den Kopf gewunden. Zudem gab es auch kleinere „Tichla“ in Rot oder Schwarz mit geblümtem Rand. Der Haarknoten hieß mundartlich "Mups".

Schuhe wurden nur zum Gottesdienst und im Winter getragen. Die Frauen hatten einen niederen Schuh, der "Pariserschuh" genannt wurde.
Die Strümpfe waren gestreift und meist weißrot.

Die Männertracht
Die Beschreibung der Männertracht erinnert an jene aus Mähren, Böhmen und Bayern: Zur Arbeit waren einfache Leinenhosen üblich. Ansonsten steckten die Männer die langen Hosenbeine ihrer Lederhose in die schweren Schaftstiefel. Der Oberkörper war mit einer hochgeschlossenen, zweireihig geknöpften Weste ("Westa", "Leibl", "Jack", "Frack") bekleidet. Darunter befand sich ein Hemd ("Kittl"), das am Hals mit einem Tuch zusammengehalten wurde.
An Festtagen trug man darüber einen dunklen oder brauen Tuchrock ("Jack").  Der Zylinder diente an Feiertagen als Kopfbedeckung. Auch Pelzmützen waren gebräuchlich.


Angaben nach:
Blösl, Die Sprachinsel Deutsch-Brodek-Wachtl, 1921; Müller, Wachtler Gedenkbuch, 1970; Huttarsch, Wachtl, 1986.