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Jeschken-Iser-Gau


Die Tracht der Stadt Reichenberg
(beschrieben von Roswitha Seliger)

Der Jeschken-Iser-Gau und insbesondere die Gegend um Reichenberg (Liberec) gehörten zu jenen Landschaften, in denen die Tracht bereits sehr früh durch modische Kleidung verdrängt wurde. Der Trachtenausschuß unter Leitung von Josef Hanika erarbeitete seit Mitte der 1930er Jahre eine erneuerte Tracht, die typische Elemente der historischen bäuerlichen und städtischen Tracht vereinte. Bei der Vertreibung wurde, versteckt in einem Kinderwagen, eine Tracht gerettet. In der Folgezeit diente sie als Vorbild für die neugeschneiderten Trachten.

Kernstück der Reichenberger Tracht ist der Spangenleiblrock, der aus gutem, ungemustertem Wollstoff in zwei verschiedenen Farben besteht. Das Leibl und der acht Zentimeter breite Saum, der nach innen geschlagen wird, sind von der gleichen Farbe. Das Spangenleibl wird an den Schnittkanten von dem Stoff des Rockes eingefaßt. Die Spange wird durch einen Einschnitt erzielt. Zwei mit einem Kettchen versehene Knopfpaare halten sie fest. Das Vorderteil zieren Lebensbaummotive, die in der Farbe des Rockes aufgestickt sind. Am Rücken ist in der gleichen Farbe die Miederverschnürung durch Stickerei angedeutet. Leibl und Rock, der reich gezogen ist, sind bis auf die vordere Spitze, die lose bleibt, fest miteinander verbunden. Unter dem Leibl wird eine weisse Baumwollbluse mit kurzen, bauschigen Ärmeln getragen. Die Ärmel und der Halsausschnitt sind mit geklöppelter oder gehäkelter Spitze verziert. Die Schürze besteht aus schillerndem Taft, in dem sich beide Farben der Tracht spiegeln. Sie wird mit einem silbernen Knopf zusammengehalten. Das Brusttuch ist aus weißem Baumwolltüll und reich bestickt. Zur Tracht werden weiße Baumwollstrümpfe und schwarze Schuhe getragen.

Abbildung: Trachtenberaterin Roswitha Seeliger in der Tracht der Stadt Reichenberg (Foto: Erich Rudel)